Historical vs. Fantasy Fashion

Ein Neues Jahr beginnt, Zeit um die Gedanken zu sortieren und „aufzuräumen“.

Da ich mich gerade von einer schweren Grippe erhole und ich noch strengste Bettruhe habe und wirklich nichts machen darf und eine Zwangspause verordnet bekommen habe von Mama, habe ich mir heimlich meinen Laptop geschnappt  und nutze die Ruhe  um einige Blogeinträge zu schreiben.

Ein Thema welches mich ständig begleitet > In meiner Künstlerseele schlagen 2 Herzen:

Herz 1:

Das eine schlägt für die historischen Rekonstruktionen…bei denen ich sehr detailliert versuche nachzuforschen und zu ergründen wie es wirklich ausgesehen haben könnte damals. Ressourcen sind hierzu Bilderquellen, Schriftquellen, erhaltene Originale aus einer bestimmten Zeitperiode.

Beispiel für eine Bildquelle aus einem Buch: „Livre des tournois“ um 1460

Wie einige von euch wissen habe ich mich dem späten Mittelalter verschrieben, genau genommen dem 14ten und 15ten Jahrhundert. Also nicht das düstere, dreckige, finstere Mittelalter (Winkingerkram) sondern das bunte fortschrittliche Mittelalter (Burgfräulein und Ritterkram) *hustreusper*! Um bei der Umsetzung den Bedürfnissen und Ansprüchen gerecht zu werden, erfordert es ein umfangreiches Wissen, welches man sich über die Jahre aneignet und recherchiert.  Über  historische- Materialien, Verarbeitungsmethoden  und die komplizierte Schnittkonstruktion, die es in kaum einem Lehrbuch zu lesen gibt. Reproduktionen von historischen Stoffen sind teilweise unerschwinglich und es steckt auch noch sehr zeitaufwendige Handarbeit in der Verarbeitung.

Dies alles machte es aber sehr sehr schwer seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Ihr könnt Euch vorstellen das der Preis unendlich hoch war und die Anfertigungdauer unendlich lang sein konnte… Also aus wirtschaftlicher Sicht und wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, schlichtweg nicht möglich für einen Haupterwerb, „es hat sich nicht wirklich gelohnt“.

Hauptsächlich habe ich diese Leidenschaft auf Liverollenspielen (Histo- Larp, Reenlarpment) und auf Reenactment und Living History Veranstaltungen (Museale Veranstaltung mit Hauptaugenmerk auf historischer Wissensvermittlung) ausgelebt. Das ist auch der Ursprung meiner Gewand Manufaktur – damit habe ich angefangen.

Fotorechte: https://www.editionboiselle.de
Ritter: Arne Koets
Pferd: PRE Wallach Maximilian
Burgfräulein: Karolin Fischer

Foto: Jonas Radtke

Herz 2:

Auf der anderen Seite schlägt mein Herz für die fantastische Zauberwelten des Kostümdesign der Modernen Welt und freien Interpretationen der Vergangen Zeiten. Ein großes Vorbild sind hier Game of Thrones, Herr der Ringe, Narnia und all die Fantasy Serien und Filme der Vergangenheit die mein Weg geprägt haben. Der besondere Reiz hierbei war/ ist für ich mich völlig frei zu entfalten, neu zu entdecken und quasi mit neuen Materialien zu experimentieren zu können. Dies ermöglicht auch eine ganz anderer Herangehensweise an Umsetzung der Kleider. Maschinen Nähte sind plötzlich kein tabu mehr… die Seide darf Knötchen haben. Man darf Leinen als Außenmaterial verwenden.

 **Ganz neue Welten eröffneten sich für mich und somit auch ein neuer „Markt“ und ein neuer Kundenkreis. Ich habe hier noch eine neue Chance gesehen meine Kostümkunst nicht ganz an den Nagel zu hängen sondern einfach eine neue Richtung einzuschlagen.

Hauptsächlich lebe ich diese Leidenschaft auf den kunterbuntesten Fantasy – Spectacelen und Fantasy Messen aus.


Foto: Jonas Radtke

Also warf ich mein ganzen angeeignetes Wissen über board und zog mich 2016 in mein innerstes Zurück und gönnte mir die Zeit mich komplett neu zu erfinden und entwarf meine Fantasy Kollektion und setze dieser in einer  Relaunch um und ging damit 2017 auf Tour. Den Rest der Geschichte konntet ihr ja schon auf meinem Blog verfolgen, was daraus geworden ist oder um es besser zu formulieren – WIE ES ESKALIERT IST 😀

Foto: Jonas Radtke
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Die Bedürfnisse und meine Kunden beider Bereiche sind so unterschiedlich wie sie kaum sein könnten. Ja es sind beides Kostüme und irgendwie Middelalda aber für mich sind es 2 sehr unterschiedliche Segmente die ich sehr von einander unterscheide und mit unterschiedlichen Ansprüchen behandle um die Unterschiedlichen Bedürfnisse zu befriedigen.

Ich habe mich die letzten 3 Jahre sehr stark auf den Ausbau meiner Fantasy Fashion Kollektion konzentriert und meine historischen Arbeiten wurden etwas stiefmütterlich behandelt. Ich bin auch völlig ausgelastet mit meiner Fantasy Kollektion derzeit. Ich möchte aber gerne wieder auch mehr historische Projekte ausarbeiten und auch wieder auf historische Veranstaltungen und Histo Larps fahren. Das ist in den letzten Jahren ein wenig auf der Strecke geblieben.

Um für mich und für Euch die Unterscheidung klarer zu definieren und es nicht zu sehr vermischt, habe ich mich dazu entschlossen zu versuchen die beiden Bereiche etwas von einander zu trennen.

Ich werde die historischen Projekte von der Gewand Manufaktur Facebook Seite und Homepage herauslösen und einen eigenen Raum für Entfaltung geben. Den ersten Anfang habe ich schon bereits HIER auf meinem Blog getätigt indem ich die Beiträge auf 2 Unterkategorien aufteilen werde.

Kategorie: FANTASY FASHION
vs.
Kategorie: HISTORICAL FASHION

Wenn ihr die beiden Kategorien mal vergleicht fällt euch vlt ein kleiner Unterschied auf – für die die nicht wirklich wissen wovon ich hier rede 😉 Ja ist auch komisch eine Szene nochmal in Nischen aufzuteilen (eine Diskussion über die verschiedenen Definition von Reenactment und die unterschiedlichen Abstufungen von „historisch korrekt“ fange ich hier jetzt nicht an XD).

Was hat das jetzt eigentlich generell für Konsequenzen? Also eigentlich nur das es bald NOCH mehr g***en Sch**ß auf beiden Kanälen geben wird 😀 Und Ich bin ja mittlerweile nicht mehr alleine im Team Gewand Manufaktur!

Der History Channel wird „larpiger“ und historischer und der Fantasy Channel wird noch fantastischer und ausgefallener… so – stay tuned and watch out!

Eure verrückte Karo!

** Was ich in dem obigen Absatz in einem Satz formuliert habe war ein langer schmerzhafter Prozess den ich durchleben musste um aus den Erfahrungen der Vergangenheit zu lernen. Sich mit seiner Leidenschaft selbständig zu machen ist eine Sache – mit dem was man liebt und gut kann, das war für mich nicht schwer. Das ging leicht. Aber herauszufinden wie schwierig es ist wirklich wirtschaftlich als Handwerker/ Künstler zu Überleben – eine ganz andere. Das war meine Lektion fürs Leben und gehörte mit zum Gesamt Prozess dazu. 

P.S.: So Sah ich aus als ich 2008 auf meinem ersten Liverollenspiel angefangen habe vor 10 Jahren:

 

 

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