Mein erstes Growdfunding: „The Royal Needle“

Der Folgende Artikel ist hauptsächlich für alle historisch orientierten Leser. Ich habe ja erwähnt das ich zukünftig die Beiträge etwas aufteilen werde – dieser Artikel gehört in die Kategorie: HISTORICAL FASHION 

W.I.P: THE ROYAL NEEDLE –

ein Growdfunding der Gewand Manufaktur

https://www.kickstarter.com/projects/504827539/royal-needle-collection?lang=de

 DIY NÄH-BOX: WIR SCHNEIDEN – IHR NÄHT!

 

WARUM WIESO WESHALB????

Natürlich möchten wir damit etwas finanzieren wozu uns die Mittel fehlen und wir auch kein Geld von der Bank bekommen. Was genau und wie wir zu unserer Idee kommen dazu muss ich ganz von vorne Anfangen. In meinem letzten Blog Artikel habe ich von meinen 2 Künstlerseelen erzählt. Und das Ich gerne wieder mehr an historischen Projekten Arbeiten möchte.  Und die TRNC wird das erste Projekt sein welches wir gerne anstoßen möchten.

Die Idee zur „Royal Needle“ DIY Kollektion ist das Ergebnis aus vielen Jahren an Erfahrung, Weiterentwicklung & Leidenschaft.

Angefangen hat es vor genau 10 Jahren als das Hobby LARP entdeckt habe und nach der ersten Anfangsphase als ElfenKriegerHeilerSchankmaidenAmazone überwunden habe, sehr schnell ins damals noch sehr jungfräuliche “Histo” Larp gefunden habe. Meine Leidenschaft für die Geschichte entdeckte ich wieder mit meiner liebsten Epoche, dem 14. Jahrhundert.

Anfangs nur als Hobby gedacht, betrieb ich viel Recherche, probierte verschiedene Epochen aus und meine Kleider fanden anklang. Damals noch bei Deviantart.com & im Larper.ning. Dann fing ich an meine Freunde auszustatten und so entwickelte sich schnell ein kleines Geschäft und ich machte mich in 2012 selbständig.

Wie in meinem letzten Artikel bereits erwähnt, war es nicht sehr einfach in der Anfangsphase. Die korrekte, passgenaue Anfertigung solcher historisch “korrekter“ Bekleidung und die “wirschaftliche Umsetzung” stellte mich lange Zeit vor eine große Herausforderung.

In den letzten Jahren habe ich meine Arbeitsweisen Schritt für Schritt weiterentwickelt um effizienter zu werden.

2015 bildete ich mich in Herren – Maß – Schnittkonstruktion weiter – den klassischen Maß-Papierschnitt per Hand von Grund auf konstruieren und zeichen. Ihr wisst ja – ich hab das ja alles gar nicht wirklich richtig gelernt 😉

Dann investierte ich ich 2017 in eine Schnittmuster Software und erlernerte Schnitte zu digitalisieren.

Natürlich habe ich das alles anhand von modernere Schnittkonstruktion erlernt und Zuhause probierte ich wild herum und versuche die historische Schnittkonstruktion und die Erfahrung meiner Arbeit aus den letzten Jahren in die Software zu übersetzten.

Ein praktischer Helferlein war mir dabei unser Mini-Bob. Da wir in der Modeschule gelernt hatten neue Modelle im Maßstab 1:3 auszuprobieren und zu Zeichnen und die Software in jedem Maßstab drucken kann ist es leichter alles in 1:3 am heimischen Drucker auszudrucken.

In diesem Entwicklungsprozess befinde ich mich gerade und es verspricht eine unglaubliche Arbeitserleichtung was mich mit meiner Software erwartet. Es dauert zwar sehr lange und es ist sehr aufwendig einen Schnitt zu programmieren – aber wenn man erstmal den Schnitt hat stehen einem unendliche Möglichkeiten offen.

Ich kann nun die Maße eines Kunden eingeben und mit einem Plotter den Schnitt fertig ausdrucken. Das ist eine unendliche Erleichterung und unendlich zeiteffizient.

Soweit zum Teil eins der Geschichte.

Ein weiteres großes „Problem“ was ich habe sind die Ressourcen. Historisch „korrekte“ Stoffe sind fast unerschwinglich und kaum zu bekommen. Auch ein Grund warum es für mich kaum noch möglich war historische Bekleidung herzustellen. Schöne Wolle ist sehr selten und dann in der angemessenen Qualität für mich als Wiederverwender nicht einkaufbar. Und das was als „Wolle“ zu erschwinglichen Preisen verkauft wird – möchte ich nicht hinterfragen und kann und möchte dies auch nicht mit gutem Gewissen meinen Kunden anbieten. Aber ich will meine historische Kollektion nicht einfach Kampflos aufgeben. Wenn gekaufte Ware vom Händler so unerschwinglich hoch ist – dann kann ich auch selber weben lassen. Ein großer Traum von mir… eine eigene Kollektion mit eigenen Stoffen. Es garantiert mir eine Qualität hinter der ich stehen kann und absolute Exklusivität. Und ich gehe noch einen Schritt weiter…was wäre wenn… es auch noch in Deutschland hergestellt werden könnte.

Die ersten Muster von einer deutschen Weberei

Leichtloden aus 100% Wolle einmal in einer Leinwandbindung (links) und recht in einer Köperbindung 2/2 (recht) wie es für mittelalterliche Gewänder üblich war.

Sehr feines reines leinen einmal in Natur und gebleicht.

Und darum geht es auch in unserem Growdfunding. Wir wollen das Geld zusammen bekommen um die Mindestmenge weben lassen zu können.

So kommen wir nun von Steinchen auf Stöckchen zum Elefanten. Mir schwebt schon länger die Idee vor Schnittmuster anzubieten, seid ich die Software habe und damit arbeite.

Mittelalterliche Papierschnittmuster gibt es ja mittlerweile einige – aber individuell auf die eigenen Maße angepasst – das ist schonmal sehr cool – Darüber hinaus wollen wir es NOCH einfacher machen und euch auch noch das lästige zuschneiden ersparen… oder die Panik vor dem ersten SCHNITT! Also könnt ihr es den Profis überlassen und sofort mit dem nähen loslegen.

Und wie ihr schon mitbekommen habt ist unser Kickstarter auch sofort erfolgreich und wir sind von eurer Begeisterung sehr überwältig und überrascht. Das gibt uns nun die Möglichkeit für mich ein „Come back“ in die „Histospacken“ Welt zu feiern!

Mit der neuen effizienten Arbeitsweise, mit den traumhaften Stoffen und ohne meine ohnehin völlig ausgereizten und erschöpften Nähkapazitäten wird es mir vlt wieder mehr möglich sein weiter an meinen historischen Projekten zu arbeiten.

Wir sind Euch so unendlich dankbar!

Nutzt noch die Chance bis zum 27. Januar eure persönliche Royal Needle Box zu sichern – oder auch einfach nur den Stoff als Meterware!

Wenn ihr neu hier auf meinem Blog seid und noch mehr über Uns und was wir tun, erfahren wollt schaut doch bitte in meiner Kategorie: HISTORICAL FASHION rein, und lest ein bißchen aus der Historie um noch mehr über unsere Arbeitsweisen zu erfahren, wer wir sind und wofür unsere Leidenschaft brennt. Viel gibt es noch nicht – Ich habe zwar in der Vergangenheit viel gemacht, aber das noch nicht wirklich zu Papier gebracht, aber das wird sich in Zukunft ändern!  *HISTOFLOSSE* HIGHFIFE!!!

Kleiner Nachtrag: Die Stoffe werden ausschließlich für den Eigenbedarf produziert. Für unsere Einzelanfertigungen, Kleinserien & DIY Nähbaukästen. Ein Verkauf von Meterware ist in Zukunft nicht vorgesehen. 

P.S.: Das Kickstarter Projekt wird im übrigen verwaltet von Dennis, er hat den Kickstarter und das Growdfunding ins Leben gerufen. Er ermöglicht mir gerade extra Ressourcen und Kapazitäten anzuzapfen und ist eine großartige Bereicherung für unser Team.

SO MANY THANKS TO THE BEST & GREATEST TEAM EVER!!! <3

 

Historical vs. Fantasy Fashion

Ein Neues Jahr beginnt, Zeit um die Gedanken zu sortieren und „aufzuräumen“.

Da ich mich gerade von einer schweren Grippe erhole und ich noch strengste Bettruhe habe und wirklich nichts machen darf und eine Zwangspause verordnet bekommen habe von Mama, habe ich mir heimlich meinen Laptop geschnappt  und nutze die Ruhe  um einige Blogeinträge zu schreiben.

Ein Thema welches mich ständig begleitet > In meiner Künstlerseele schlagen 2 Herzen:

Herz 1:

Das eine schlägt für die historischen Rekonstruktionen…bei denen ich sehr detailliert versuche nachzuforschen und zu ergründen wie es wirklich ausgesehen haben könnte damals. Ressourcen sind hierzu Bilderquellen, Schriftquellen, erhaltene Originale aus einer bestimmten Zeitperiode.

Beispiel für eine Bildquelle aus einem Buch: „Livre des tournois“ um 1460

Wie einige von euch wissen habe ich mich dem späten Mittelalter verschrieben, genau genommen dem 14ten und 15ten Jahrhundert. Also nicht das düstere, dreckige, finstere Mittelalter (Winkingerkram) sondern das bunte fortschrittliche Mittelalter (Burgfräulein und Ritterkram) *hustreusper*! Um bei der Umsetzung den Bedürfnissen und Ansprüchen gerecht zu werden, erfordert es ein umfangreiches Wissen, welches man sich über die Jahre aneignet und recherchiert.  Über  historische- Materialien, Verarbeitungsmethoden  und die komplizierte Schnittkonstruktion, die es in kaum einem Lehrbuch zu lesen gibt. Reproduktionen von historischen Stoffen sind teilweise unerschwinglich und es steckt auch noch sehr zeitaufwendige Handarbeit in der Verarbeitung.

Dies alles machte es aber sehr sehr schwer seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Ihr könnt Euch vorstellen das der Preis unendlich hoch war und die Anfertigungdauer unendlich lang sein konnte… Also aus wirtschaftlicher Sicht und wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, schlichtweg nicht möglich für einen Haupterwerb, „es hat sich nicht wirklich gelohnt“.

Hauptsächlich habe ich diese Leidenschaft auf Liverollenspielen (Histo- Larp, Reenlarpment) und auf Reenactment und Living History Veranstaltungen (Museale Veranstaltung mit Hauptaugenmerk auf historischer Wissensvermittlung) ausgelebt. Das ist auch der Ursprung meiner Gewand Manufaktur – damit habe ich angefangen.

Fotorechte: https://www.editionboiselle.de
Ritter: Arne Koets
Pferd: PRE Wallach Maximilian
Burgfräulein: Karolin Fischer

Foto: Jonas Radtke

Herz 2:

Auf der anderen Seite schlägt mein Herz für die fantastische Zauberwelten des Kostümdesign der Modernen Welt und freien Interpretationen der Vergangen Zeiten. Ein großes Vorbild sind hier Game of Thrones, Herr der Ringe, Narnia und all die Fantasy Serien und Filme der Vergangenheit die mein Weg geprägt haben. Der besondere Reiz hierbei war/ ist für ich mich völlig frei zu entfalten, neu zu entdecken und quasi mit neuen Materialien zu experimentieren zu können. Dies ermöglicht auch eine ganz anderer Herangehensweise an Umsetzung der Kleider. Maschinen Nähte sind plötzlich kein tabu mehr… die Seide darf Knötchen haben. Man darf Leinen als Außenmaterial verwenden.

 **Ganz neue Welten eröffneten sich für mich und somit auch ein neuer „Markt“ und ein neuer Kundenkreis. Ich habe hier noch eine neue Chance gesehen meine Kostümkunst nicht ganz an den Nagel zu hängen sondern einfach eine neue Richtung einzuschlagen.

Hauptsächlich lebe ich diese Leidenschaft auf den kunterbuntesten Fantasy – Spectacelen und Fantasy Messen aus.


Foto: Jonas Radtke

Also warf ich mein ganzen angeeignetes Wissen über board und zog mich 2016 in mein innerstes Zurück und gönnte mir die Zeit mich komplett neu zu erfinden und entwarf meine Fantasy Kollektion und setze dieser in einer  Relaunch um und ging damit 2017 auf Tour. Den Rest der Geschichte konntet ihr ja schon auf meinem Blog verfolgen, was daraus geworden ist oder um es besser zu formulieren – WIE ES ESKALIERT IST 😀

Foto: Jonas Radtke
. . .

Die Bedürfnisse und meine Kunden beider Bereiche sind so unterschiedlich wie sie kaum sein könnten. Ja es sind beides Kostüme und irgendwie Middelalda aber für mich sind es 2 sehr unterschiedliche Segmente die ich sehr von einander unterscheide und mit unterschiedlichen Ansprüchen behandle um die Unterschiedlichen Bedürfnisse zu befriedigen.

Ich habe mich die letzten 3 Jahre sehr stark auf den Ausbau meiner Fantasy Fashion Kollektion konzentriert und meine historischen Arbeiten wurden etwas stiefmütterlich behandelt. Ich bin auch völlig ausgelastet mit meiner Fantasy Kollektion derzeit. Ich möchte aber gerne wieder auch mehr historische Projekte ausarbeiten und auch wieder auf historische Veranstaltungen und Histo Larps fahren. Das ist in den letzten Jahren ein wenig auf der Strecke geblieben.

Um für mich und für Euch die Unterscheidung klarer zu definieren und es nicht zu sehr vermischt, habe ich mich dazu entschlossen zu versuchen die beiden Bereiche etwas von einander zu trennen.

Ich werde die historischen Projekte von der Gewand Manufaktur Facebook Seite und Homepage herauslösen und einen eigenen Raum für Entfaltung geben. Den ersten Anfang habe ich schon bereits HIER auf meinem Blog getätigt indem ich die Beiträge auf 2 Unterkategorien aufteilen werde.

Kategorie: FANTASY FASHION
vs.
Kategorie: HISTORICAL FASHION

Wenn ihr die beiden Kategorien mal vergleicht fällt euch vlt ein kleiner Unterschied auf – für die die nicht wirklich wissen wovon ich hier rede 😉 Ja ist auch komisch eine Szene nochmal in Nischen aufzuteilen (eine Diskussion über die verschiedenen Definition von Reenactment und die unterschiedlichen Abstufungen von „historisch korrekt“ fange ich hier jetzt nicht an XD).

Was hat das jetzt eigentlich generell für Konsequenzen? Also eigentlich nur das es bald NOCH mehr g***en Sch**ß auf beiden Kanälen geben wird 😀 Und Ich bin ja mittlerweile nicht mehr alleine im Team Gewand Manufaktur!

Der History Channel wird „larpiger“ und historischer und der Fantasy Channel wird noch fantastischer und ausgefallener… so – stay tuned and watch out!

Eure verrückte Karo!

** Was ich in dem obigen Absatz in einem Satz formuliert habe war ein langer schmerzhafter Prozess den ich durchleben musste um aus den Erfahrungen der Vergangenheit zu lernen. Sich mit seiner Leidenschaft selbständig zu machen ist eine Sache – mit dem was man liebt und gut kann, das war für mich nicht schwer. Das ging leicht. Aber herauszufinden wie schwierig es ist wirklich wirtschaftlich als Handwerker/ Künstler zu Überleben – eine ganz andere. Das war meine Lektion fürs Leben und gehörte mit zum Gesamt Prozess dazu. 

P.S.: So Sah ich aus als ich 2008 auf meinem ersten Liverollenspiel angefangen habe vor 10 Jahren:

 

 

Das Eskalations-Atelier…

Aus dem Tagebuch einer Gewand Manufaktur, August 2017

Was tun wenn man gezwungen ist sich mitten in der Start-Phase und mitten in der ersten Saison umzuziehen? Ja, richtig – ESKALIEREN!!!!

Nach meinem ERSTEM! Markt in der Saison 2017 musste ich eine Entscheidung treffen – Ein Umzug stand an – Ich musste umziehen und das so schnell wie möglich.  Eine Katastrophe, ich wusste doch zu diesem Zeitpunkt doch gar nicht ob alles so klappt, die Märkte sind geplant und ich hatte schon die ersten Aufträge die bearbeitetet werden mussten.

Finde mal eine Wohnung/Atelier auf dem Land. Das ist hier alles ein bisschen anders. Für mich stand aber fest ich muss bei den Ponys bleiben, denn wenn ich nicht gerade hinter der Nähmaschine sitze oder im Kostüm, dann sitze ich auf dem Pony. Wobei sich die letzten zwei Punkte sich nicht gegenseitig ausschließen ;).

Das bin ich im übrigen mit meinem Schulpony Bosse – 1.40m deutsches Reitpony. Mein Fels in der Brandung und mein totaler Ausgleich, welcher im letzten Jahr etwas kurz kam.

Also habe ich alle meine Mädels vom Reitstall darauf angesetzt, um im Umkreis etwas zu finden. Nach kürzester Zeit habe ich durch den Buschfunk von der alten Gänsefeder-Fabrik erfahren. Sie vermieten gewerbliche Räumlichkeiten und die sind offen für kreative Leute und Ideen.

Dann stand ich da…

…in meinem Traumatelier….

Aber es war viel zu groß und das war doch so alles nicht geplant. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine wirkliche Erfahrung wie es alles klappen und funktionieren wird. Ich hatte Bedenken, dass ich mich übernehmen würde, aber ich dachte: Jetzt erst recht!!! Größere Räume – größere Möglichkeiten.

 „Wall of Fame“ – meine Entwürfe für Mittelalter und Piraten – Rockbands, die ich  in einem gemeinsamen Projekt mit „PLEBZ“ ausarbeitet habe 🙂
+++ Saltatio Mortis +++ Versengold +++ Pulveraffen und Vroudenspil+++

Und so entsteht nicht nur ein wunderbares Atelier zum arbeiten und für Ideen…

…sondern auch noch ein schöner Showroom! Ich habe die Möglichkeiten endlich meine Kunden entsprechend zu empfangen und meine Kleider angemessen in einem großem Ausstellungsraum zu präsentieren.

Die letzten Renovierungsarbeiten laufen und die Einrichtung wird zwar erstmal improvisiert sein, aber Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.

Mit diesem Atelier geht ein absoluter Traum in Erfüllung. Halb Werkstatt und Halb Ausstellung, ich freu mich darauf Euch alle dort zu empfangen!

P.S.: Die große offizielle Eröffnungs-Party wird noch geplant! Aber das schaffe ich nicht mehr bevor die Saison startet! Wir sehen uns auf den Märkten.

Hier meine Termine:
http://www.gewand-manufaktur.com/epages/78334146.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/78334146/Categories/Termine

Eine Schamlatzhosen-Strategie

Mein Blog wird einerseits meine aktuellen Arbeiten dokumentieren, andererseits auch rückwirkende Projekte und Veranstaltungen präsentieren.

Nachdem ich das 14. Jahrhundert für mich erschlossen hatte entdeckte ich in der Folge nun das 15. Jahrhundert . In der Herrenmode dieser Zeit entwickelte sich aus den klassischen seperaten Beinlingen die Schamlatzhose. 

Hier eine kleine Auswahl von Abbildungen von ebensolchen Schamlatzhosen aus Gemälden des 15. Jahrhunderts.

Die korrekte, passgenaue Anfertigung einer solchen Hose stellte mich lange Zeit vor große Herausforderungen. Jeder der schon mal ein solches Teil genäht hat weiß von den Schwierigkeiten und Tücken die mit der Fertigung dieses Kleidungsstückes einher gehen.

Nach mehreren Versuchen habe ich das Prinzip verstanden und erprobt. Nun stellte sich die Frage einer wirtschaftlichen Herstellung. Wie kann man diese umsetzen, ohne daß es für den Kunden unnötig kompliziert und teuer wird?

Fest steht es führt kein Weg an einer persönlichen Anprobe vorbei. Die Schamlatzhose ist eine Maßanfertigung, sie muss für einen perfekten Sitz am Kunden angepasst werden, denn watt sacht der Kölner so schön: „Jeder Jeck is anners“.

Da ich ja die klassische Schnittmustererstellung nie wirklich richtig gelernt hatte, begann ich mich autodidaktisch damit zu befassen. In meiner Ausbildung zur „Bekleidungstechnischen Assistentin mit Zusatzausbildung zur Modenäherin“ wurde die Schnittkonstruktion nur an einem Grundschnitt – Damenrock – grob erklärt und bearbeitet. Deshalb lege ich großen Wert darauf mich „Näherin“ zu nennen und nicht „Schneiderin“, denn ich habe das Schneiderhandwerk nie erlernt; es gab schon damals leider keine Möglichkeit mehr diesen wunderbaren Beruf zu ergreifen.

Die historischen Schnitte habe ich mir also die letzten Jahre auf etwas unkonventionelle Weise selbst erarbeitet und hergeleitet. Mit großer Leidenschaft adaptierte ich die Linienführung auf den zeitgenössischen Gemälden auf den modernen Körper.

Als nächstes meldete ich mich für einen Lehrgang am Modeinstitut Gabriel an. Für eine so komplexe Schnittkonstruktion wie die einer Schamlatzhose, sollte es ein System sein, nach welchem die Hose nach der ersten Anprobe schon annähernd perfekt sitzt. Dies versprach die sogenannte „Gabriel Formel“. Also wagte ich den Schritt zurück an die Schulbank um mein Fachwissen diesbezüglich  zu erweitern.

Ich war sehr gespannt, ob ich diese Formel auf die historische Linienführung und Schnittkonstruktion einfach so adaptieren konnte. Würde das nach meinen Vorstellungen funktionieren, wäre der Schnitt für die erste Anprobe schon passgenau?

Nach diesem intensiven Lehrgang konnte ich es  kaum erwarten, das neu erlernte System anzuwenden und auszuprobieren. Schon bald stellte sich auch ein geeigneter Probant freiwillig als Testperson zur Verfügung.

Im Maßstab 1:3 wurde erst einmal an einer Grundschnitthose ein Probeschnitt konstruiert.

Übertragen auf den Maßstab 1:1 stellte sich nun die Frage, wie mach ich aus zwei Seitennähten eine Hose mit nur einer hinteren Naht?

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Et voilà – es hat tatsächlich funktioniert. Bei der Anprobe musste ich „nur“ noch die Dehnung des Stoffes „wegnehmen“, die sich bei jedem Stoff anders verhält und im Vorfeld nicht berechnet werden kann. Ich war ganz erstaunt und glücklich darüber, daß sich mit der Gabriel FormeI dieser Schnitt nicht nur entwickeln lies, sondern auch noch sofort passte. Das war ein großer Fortschritt für mich und eine enorme Erleichterung in der zukünftigen Auftragsbearbeitung.

 

Diese Version der Schamlatzhose hat hinten noch drei Nähte, ich arbeite aber bereits an einer Version mit nur einer Naht und einem eingesetzt Keil,  so wie man es auf vielen historischen Abbildungen sieht, ein stetiger Prozess der Entwicklung.

Die Puppe entspricht natürlich nicht ganz den Maßen des Kunden,  aber ich denke, daß man die Passform und das Ergebnis schon gut erkennen kann. Die Hose befindet sich nun in der Beta Testphase und wird diversen Belastungsproben ausgesetzt sein.

Zu erwähnen wären außerdem diese „Schnürsenkel“ mit denen die Klamotte zusammengehalten wird.

Diese sogenannten Nestelbänder habe ich aus Seidengarn geflochten, es gibt diverse Flechtmethoden, vergleichbar mit Freundschaftsbändern. Die Bänder werden durch Nestellöcher gezogen, umstickte runde Knopflöcher. Die Enden werden mit Nestelspitzen versehen, so lassen sich die Bänder ohne Probleme durch die Löcher fädeln.

Nach langer Suche habe ich endlich einen Kunsthandwerker gefunden, der mir  besonders feine Spitzen aus Messing anfertigt und diese auch gleich an die Nestelbänder montiert. (Rechts daneben im Vergleich eine handelsübliche, zu grobe Nestelspitze.) Auf solche Details lege ich höchsten Wert bei der Anfertigung meiner rekonstruierten historischen Mode.

***

Es folgt nun die Konstruktion weiterer köperbetonter Oberbekleidung des 15. Jahrhunderts, wie zb. Rüstwämser.

Ich hoffe der kleine Einblick in meine Arbeit und die damit einhergehenden Problemlösungen mit denen ich mich beschäftige hat Euch gefallen.

Fotos: Karolin Fischer

14th Century – Late Medieval Costumes

Meine Leidenschaft für die Geschichte entdeckte ich mit meiner liebsten Epoche, dem 14. Jahrhundert. Die Vorstellung vom finsteren, dreckigen Mittelalter ist ja leider immer noch weit verbreitet. Ich möchte diesem Klischee mit meiner Arbeit entgegenwirken. Gerade das späte Mittelalter bietet einen schier unendlichen Schatz an farbenprächtiger Mode. Der Spruch auf dem Teaser Bild ist also eher ironisch gemeint. 😉

 

Eines meiner ersten historisch inspirierten Kleider entstand 2010 – ja, so lange mach ich das noch nicht^^ –  eine nachtblaue Cotehardie aus feiner Wolle, komplett gefüttert mit feinstem Leinen. In einem Abstand von je 1,5 cm sind die Knöpfe aus Zink dicht gesetzt :-D, die Knopflöcher und alle sichtbaren Nähte sind von Hand genäht. Das Kuriose an diesem ersten Kleid ist noch die moderne „Prinzessnaht“, die ich dann bei späteren Modellen, nach intensiverer Recherche, durch eine historisch korrekte Naht ersetzt habe.

 

Die nachfolgenden Kleider waren dann in einem ausgebesserten, historisch korrekteren Schnitt angelegt. An dieser Stelle muss ich erwähnen, daß ich die Recherche zu Optik, Schnitt und Material selbst betreibe und nach dem neuestem Stand der Wissenschaft ständig aktualisiere. Meine Kleider entwickeln sich von mal zu mal weiter und ich entdecke immer wieder neue Nähte und Details. Die Anfertigung einer Rekonstruktion möglichst nahe am historischen Original bietet für mich einen besondern Reiz und ist mein persönlicher Antrieb.

Dabei ist eine meiner größten Herausforderungen, den Look der damaligen Zeit aus zeitgenössischen Bildquellen in die Moderne zu übertragen.

Ein Jahr später entwickelte ich das nächste Ensemble, diesmal also ohne die mir inzwischen peinliche Prinzessnaht , und – ach ja – ich habe Stoffknöpfe entdeckt!

Cotehardie 2.0 aus pflanzengefärbter (Krapp) Wolle, auch komplett mit Leinen gefüttert. Dieses Kleid habe ich für ein Living History Event in Morimondo/Italien genäht. Deshalb sind die Ärmel und die Anordnung der Knöpfe italienisch inspiriert.

Passend zu meiner krapproten Cotehardie habe ich eine Surcote, auch aus pflanzengefärbter (Zwiebel) Wolle, angefertigt, natürlich auch komplett mit Leinen gefüttert.

Die Stoffe sind von WWW.NATURTUCHE.DE <3

Nach und nach werde ich meine Blog-Beiträge mit Detailaufnahmen und Making Offs erweitern. Bei Fragen oder Anregen nutzt gerne die Kommentarfunktion oder kontaktiert mich über Facebook.

Eure Karo

-Fotos & Artwork: Jonas Radtke-

 

That`s me!

Hi I`m Karo

I LOVE COSTUMES…

I started with reconstructing period costumes for late medieval and early renaissance just for fun. I was working in a fashion office and worked as a creative buyer for Fashion Jewelry in Cologne. I really loved my job!

In my free time I worked on my costumes and I was wearing them on „Live action Role Playing“ Games and „Living History“ Events – my costumes was highly commended by my friends and other actors.

Following my passion I finally launched my costume label „Gewand Manufaktur“ few years ago.

In this blog you can follow my work. It`s my first time writing a blog but I would like to share my costumes, projects and events with you. If you are interested in historical and fantastic costumes – join me!

Pictures by Jonas Radtke

RÜCKBLICK: „Ritterspiele Schaffhausen“ – 2014

Ich würde auch ganz gerne in meinem Blog immer mal wieder in Erinnerung schwelgen und ein paar meiner Events zeigen, bei denen ich dabei sein durfte.

Das wohl spektakulärste Event war für mich die Ritterspiele in Schaffhausen 2014

Im Rahmen der Sonderausstellung Ritterspiele – Geschichte einer Festkultur im  Allerheiligen Museum – fanden die Ritterspiele statt. Internationale Ritter wie Arne Kotes, Tobias Capwell, Dominik Sewell, Joram van Essen, Bertus Brokamp, Alix van Ziel, Wouter Nicolai und Petter Ellingsen.

Ich hatte die große Ehre ein Teil der Tunierdamem darzustellen und von der Tribüne aus dieses unglaubliche Spektakel anzuschauen.

Ich habe unglaublichen Respekt vor der Leistung die diese Reiter dort vollbracht haben und es hat mich zutiefst beeindruckt und sehr geprägt.

Falls sich jemand noch mehr für die Veranstaltung interessiert habe ich eine kleine Linkliste angehangen zum weiterstöbern.

Ich würde gern noch mehr Bilder in die Galerie reinpacken,  dazu brauche ich aber noch das Einverständnis der sichtbaren Ritter, mehr Bilder folgen!

Link zu den Ritterspielen live: https://www.allerheiligen.ch/de/wechsel-und-sonderausstellungen/rueckblick/item/387-ritterspiele-live

Link zur Ausstellung: https://www.allerheiligen.ch/de/wechsel-und-sonderausstellungen/rueckblick/item/375-ritterturnier-geschichte-einer-festkultur

Bericht von Tobias Capwell aus der Sicht der Ritter: http://www.wallacecollection.org/blog/2014/07/wallace-collection-curator-in-combat/

Linksammlung von TV Berichten von „The Tjousting life“: http://www.thejoustinglife.com/2014/07/the-grand-tournament-at-schaffhausen-in.html

 

RÜCKBLICK: „Call To Arms“ – 2013

Eine meiner epischsten Events war das Call to arms in Bexbach.

Veranstaltet von den La IXeme e.V. durfte ich als Gast dabei sein.

Ich habe ein paar Bilder gemacht von der Veranstaltung – hoffe sie gefallen euch.

***

One of my most epic events: „Bexbach 1474 – call to arms“

The event is a Living History event set in the Year 1474.

They recreate a skirmish between  the avant-gardes of the Burgundian and Imperial Armies on the border between the duchy of Lorraine and the Holy Roman Empire.

I was invited to be a guest on burgundian side from the La IXeme e.V.